" Häufig exzessive Gewalt"

Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Venezuela werden untersucht

04.11.2021
Lesedauer: 2 Minuten
FILE - Venezuela's President Nicolas Maduro talks to journalist covering his vote in elections to choose members of the National Assembly in Caracas, Venezuela, Dec. 6, 2020. The International Criminal Court announced Wednesday, Nov. 3, 2021, that is opening a formal investigation into crimes against humanity allegedly committed in Venezuela under President Maduro's rule. (AP Photo/Ariana Cubillos, File) Quelle: AP/Ariana Cubillos

Die Sicherheitskräfte in Venezuela sollen Regierungsgegner gefoltert und hingerichtet haben. Jetzt hebt der Internationale Strafgerichtshof seine Ermittlungen dazu auf die nächste Stufe.1Anzeigeabout:blank

Der Internationale Strafgerichtshof hat eine formale Untersuchung zu mutmaßlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Venezuela eingeleitet. Chefankläger Karim Khan kündigte die Ermittlungen am Mittwoch zum Abschluss eines dreitägigen Besuches in Venezuela an.

Khan sagte bei einer Pressekonferenz mit dem umstrittenen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, er sei sich bewusst über die politischen Verwerfungslinien in Venezuela und über die unterschiedlichen geopolitischen Positionen zur Lage in dem südamerikanischen Land. Er werde aber keine Einmischung in die Ermittlungen des Strafgerichtshofs tolerieren.

Der IStGH hatte im Februar 2018 Vorermittlungen zu möglichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Venezuela aufgenommen. Es ging um Vorwürfe, dass die Regierung seit April 2017 „häufig exzessive Gewalt“ zur Auflösung und Unterdrückung von Demonstrationen angewendet und inhaftierte Oppositionelle misshandelt habe. Es soll zu Folter und Hinrichtungen gekommen sein. Untersucht wurden aber auch mögliche Gewalttaten von Regierungsgegnern.

Nun folgt als nächster Schritt eine formale Untersuchung dieser Anschuldigungen. Was genau diese umfasst, wollte Khan nicht näher erläutern. Es ist aber die erste Untersuchung dieser Art in einem lateinamerikanischen Land. Bisher konzentrierte sich der IStGH vor allem auf mutmaßliche Gräueltaten in Afrika.

„Das ist ein Wendepunkt“, sagte José Miguel Vivanco von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Es gebe jetzt nicht nur Hoffnung für die Opfer, sondern auch eine Aussicht darauf, dass Präsident Maduro für Verbrechen seiner Sicherheitskräfte zur Verantwortung gezogen werde. Allerdings dürften Jahre vergehen, bis es überhaupt zu einer Anklage kommen könnte.

Maduro sagte, er sei nicht einverstanden damit, unter welchen Gesichtspunkten Khan die Untersuchung eingeleitet habe. Aber er sei zuversichtlich, dass eine Vereinbarung mit dem Chefankläger, wonach auch die venezolanischen Behörden eigene Untersuchungen anstellen könnten, die Wahrheit ans Licht bringen werde.

AP/ott

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