Christoph Prantner

Die Zerstörung der CDU mit Angela Merkel

09.09.2021
Lesedauer: 3 Minuten
Angela Merkel lobt im Bundestag den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet. Achille Abboud / Imago

Müde, desinteressiert und lustlos – so wirkte Angela Merkel in den vergangenen Monaten, wenn es um Parteiangelegenheiten ging. Aus der Auseinandersetzung um den Vorsitz der CDU hielt sie sich in der Öffentlichkeit ebenso heraus wie aus dem erbitterten Konflikt um die Kanzlerkandidatur zwischen Armin Laschet und Markus Söder. In den Wahlkampf wollte sie sich mit dem Hinweis auf ihr Amt als Bundeskanzlerin ebenso wenig einmischen. Zeitweilig machte Merkel sogar den Eindruck, als würde sie ihre eigene Partei am 26. September selbst nicht mehr wählen wollen.

Laschet in der Bredouille

Vor einigen Tagen allerdings hat Merkel ihre Zurückhaltung fahrenlassen. Bei Pressekonferenzen und in der jüngsten Grundsatzdebatte im Bundestag sprang sie dem schwer in Bedrängnis geratenen eigenen Kanzlerkandidaten plötzlich bei. Sie tat das so vehement, dass manche Beobachter in Berlin nun glauben, sie könnte der Union in letzter Sekunde den Wahlkampf retten. Dabei hat die Bredouille, in der sich Armin Laschet befindet, vor allem mit ihrer mehr als 18 Jahre währenden Ära als CDU-Chefin zu tun: Es ist Merkels Werk und Laschets Beitrag.

Sie hat ihren Nachfolgern, wie es der christlichdemokratische Historiker Andreas Rödder ausdrückt, eine «inhaltlich entkernte Volkspartei» hinterlassen. Diese Partei ohne jegliche Ecken und Kanten bot den politischen Gegnern über Jahre keine brauchbaren Angriffsflächen. Merkel gewann Wahlen, weil sie Widersacher demoralisierte und Konkurrenzparteien demobilisierte. Nun tut es ihr Laschet mit der geerbten Allerweltspartei gleich – diesmal allerdings in den eigenen Reihen und nicht bei den politischen Wettbewerbern der Union.

«Inhaltlich entkernte Volkspartei»

Wahlen seien kein Erntedankfest, sagen erfahrene Politikberater zuweilen. Laschet muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die sklerotische Union in der kurzen Zeit seines Parteivorsitzes inhaltlich nicht neu aufgeladen zu haben. Ebenso wenig konnte er die klaffende programmatische Lücke mit einer flamboyanten Persönlichkeit überdecken. Dafür fehlt dem soliden Rheinländer schlicht das Charisma. In den Meinungsumfragen grundeln CDU und CSU deshalb neuerdings bei früher kaum vorstellbaren 20 Prozent Zustimmung.

Doch es wäre billig, das Zögern der Kernwählerschaft nur Armin Laschet anzulasten. Einen grossen Teil der Verantwortung trägt diejenige, die manche nun als Retterin in der Not sehen: Angela Merkel. Allein dass sie jüngst – ausgerechnet neben dem zweifellos politisch scharf profilierten Österreicher Sebastian Kurz – betonen musste, dass «ein gewaltiger Unterschied» zwischen ihr und dem Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, bestehe, spricht Bände. Besser lässt sich inhaltliche Beliebigkeit nicht illustrieren.

Eine bittere Ironie für die Union

Wie immer die Bundestagswahl ausgeht, die Union wird sich inhaltlich regenerieren müssen – ob nun auf der Oppositionsbank oder in der Regierung. Dazu wird auch der CSU-Chef Markus Söder aktiv beitragen müssen, der monatelang keine Gelegenheit ausgelassen hat, Armin Laschet in der Öffentlichkeit schlechtzumachen. Auch Söders Ego, so viel lässt sich taxfrei sagen, hätte es schwer gehabt, die offensichtlichen inhaltlichen Schwächen der CDU/CSU im Wahlkampf auszubügeln.

Die bittere Ironie, mit der die Union bis zu einem womöglich katastrophalen Wahltag leben muss, ist: Erst wenn ihre vorgebliche «Retterin» die politische Bühne definitiv verlassen hat, kann die Partei beginnen, sich von Angela Merkel zu erholen.

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