Mehrere Tennisprofis klagen wiederholt über die widrigen klimatischen Bedingungen in Tokio. Paula Badosa musste den Court im Rollstuhl verlassen, Daniil Medwedew suchte die Konfrontation mit dem Schiedsrichter.
Seine Achtelfinalpartie gegen Fabio Fognini aus Italien gewann Tennisprofi Daniil Medwedew, am Ende stand es 6:2, 3:6, 6:2. Auf dem Weg in das Viertelfinale hatte der Russe aber stark mit dem Klima im Ariake Tennis Park in Tokio zu kämpfen.
Beim Stand von 5:2 im ersten Satz musste Medwedew behandelt werden. »Schon vom ersten Satz an hatte ich Probleme mit der Atmung«, sagte der 25-Jährige. »Darum habe ich den Physio gerufen, mein Zwerchfell fühlte sich blockiert an. Ich konnte schwer atmen.«
Medwedew spielte weiter, machte jedoch vor allem im zweiten Satz, den er an Fognini abgab, keinen guten Eindruck. Schiedsrichter Carlos Ramos erkundigte sich zwischenzeitlich beim Weltranglistenzweiten, ob er in der Verfassung sei weiterzuspielen. »Ich kann das Match beenden, könnte aber sterben«, erwiderte Medwedew. »Übernehmen Sie die Verantwortung, wenn ich hier sterbe?«
Der Russe gab an, ihm sei zwischenzeitlich schwarz vor Augen geworden. Im dritten Satz wirkte er dann wieder frischer, entschied die Partie für sich und trifft nun in der nächsten Runde auf den Spanier Pablo Carreño Busta.
Hitzschlag bei Badosa
Weniger gut endete der Auftritt in Tokio für Paula Badosa. Im Viertelfinale gegen Marketa Vondrousova aus Tschechien erlitt die Spanierin einen Hitzschlag und musste aufgeben. Nach längerer Behandlung verließ die 23-Jährige den Court im Rollstuhl.
»Es ist schade, dass ich so aufgeben muss. Seit dem ersten Tag war es eine harte Aufgabe. Wir haben bestmöglich versucht, uns den Bedingungen anzupassen, aber mein Körper hat dem nicht standgehalten«, sagte Badosa nach dem Spiel.
Die Spanierin hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Im Vorfeld der Australian Open hatte sie sich mit dem Coronavirus infiziert und war längere Zeit in Isolation. Für sie ist das olympische Turnier nun beendet, nachdem sie für das Doppel mit Pablo Carreño Busta abgesagt hat.
Beschwerden halten an
Die Beschwerden über die Hitze in Japan sind nicht neu. Novak Djoković hatte sich bereits nach seinem Auftaktmatch über die Ansetzungen der Partien beschwert. Er könne sich nicht erklären, warum die Spiele nicht später am Tag stattfänden, schließlich sei am Nachmittag genug Zeit, und alle Courts hätten Lichtanlagen.
Trotz des Ärgers über die äußeren Bedingungen spielt der Weltranglistenerste in Tokio souverän. Ohne Probleme zog der Serbe ins Viertelfinale ein, ließ dem Spanier David Davidovich Fokina beim 6:3, 6:1 keine Chance.
Auch Alexander Zverev steht in der nächsten Runde des Turniers, an ihm ging die Hitze in Tokio allerdings nicht spurlos vorbei. Gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili gewann der Deutsche 6:4, 7:6 (7:5), hatte nach starkem Auftakt jedoch gerade gegen Ende der Partie merklich mit den klimatischen Bedingungen zu kämpfen.
Beim Stand von 5:3 vergab er drei Matchbälle und kassierte das erste Break, Bassilaschwili spielte plötzlich mutiger, kämpfte um seine letzte Chance. Doch Zverev hielt dem zunehmenden Druck und der Hitze stand und beendete das lange einseitige Match nach 1:38 Stunden Spielzeit. Am Donnerstag spielt Zverev im Viertelfinale gegen Jérémy Chardy.
Reaktion des Tennisweltverbands
Zunächst hatte der Tennisweltverband ITF mit der Einführung seiner »Extreme Weather Policy« auch in Tokio reagiert. Sie war bereits bei den Australian Open und den US Open zum Einsatz gekommen.
Die Regel sieht vor, dass zwischen dem zweiten und dritten Satz eine verlängerte Pause von zehn Minuten eingelegt wird. Zwischen Spielen muss eine halbe Minute pausiert werden. Und wenn die Temperaturen 30,1 Grad Celsius übersteigen, können Spiele unterbrochen werden.
Am späten Mittwoch reagierte der Weltverband schließlich auch mit veränderten Ansetzungen, wie etwa Djoković sie vorschlug: Von Donnerstag an werden die Partien im Ariake Tennis Park erst ab 15.00 Uhr Ortszeit beginnen, hieß es in einer Mitteilung. Ursprünglich sollte auch am Donnerstag wieder ab 11.00 Uhr, ab Freitag dann ab 12.00 Uhr gespielt werden. Damit solle auf die Gesundheit der Spieler Rücksicht genommen werden, hieß es.
tip/Reuters





