Wut über Wirtschaftskrise

Tausende Kubaner demonstrieren – die Regierung droht

12.07.2021
Lesedauer: 2 Minuten
Spuren der Demos in Havanna - Foto: YAMIL LAGE / AFP

Impfstoff gegen Corona ist rar, nahezu täglich fällt der Strom aus: Die Lebensumstände in Kuba verschlechtern sich zusehends. Nun hat es in zahlreichen Städten massive Proteste gegeben.

Videos in den sozialen Medien zeigten Hunderte von Einwohnern in mehreren kubanischen Städten von Havanna bis Santiago, die regierungsfeindliche Slogans skandierten und verschiedene Forderungen stellten, angefangen von Impfstoffen gegen das Coronavirus bis hin zu einem Ende der täglichen Stromausfälle: In Kuba ist es zu landesweiten Demonstranten gegen die Regierung gekommen. Tausende gingen am Sonntag auf die Straße und machten ihrer Frustration unter anderem über die Corona-Politik Luft.

»Sie protestieren gegen die Krise, dass es keine Lebensmittel oder Medikamente gibt, dass man alles in den Devisenläden kaufen muss, und die Liste geht weiter und weiter«, sagte eine Augenzeugin in Santiago de Cuba.

Fahrzeuge der Sicherheitskräfte patrouillierten mit Maschinengewehren bestückt durch die Straßen. In Havanna griffen die Sicherheitskräfte ein und beendeten den Marsch, nachdem einige Demonstranten Steine geworfen hatten. Am Nachmittag wurde das mobile Internet eingeschränkt, Beobachter vermuten die Regierung hinter dieser Entwicklung.

Der kommunistische Präsident Miguel Diaz-Canel machte in einer landesweit im Fernsehen übertragenen Rede am Sonntagnachmittag die Vereinigten Staaten für die Unruhen verantwortlich: Die Proteste seien von den USA über Social-Media-Plattformen und »Söldnern« vor Ort in Kuba orchestriert. Er warnte, dass weitere »Provokationen« nicht toleriert würden.

Versorgung mit grundlegenden Gütern klappt nicht

Das kommunistisch geführte Land erlebt seit zwei Jahren eine sich verschlimmernde Wirtschaftskrise, die die Regierung hauptsächlich auf US-Sanktionen und die Pandemie schiebt. Auf der Karibikinsel herrscht eine Knappheit an Gütern des grundlegenden Bedarfs, vor Geschäften bilden sich oft lange Schlangen.

Damit steigt der Druck, lange versprochene, aber bislang blockierte Reformen umzusetzen. Kritiker werfen der Regierung Inkompetenz vor und machen das sowjetische Ein-Partei-System für die Lage verantwortlich.

jok/AFP

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