Nach fast 20 Jahren Präsenz in Afghanistan haben NATO- und US-Truppen ihren größten Militärstützpunkt Bagram geräumt. Das deutet darauf hin, dass der vollständige Abzug aus dem Land unmittelbar bevorsteht.
US- und NATO-Soldaten haben die Luftwaffenbasis Bagram in Afghanistan verlassen. Das teilte ein hoher Beamter der US-Armee mit. Der Stützpunkt sei an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden, hieß es in US-Medienberichten.
Der Beamte fügte hinzu, dass der Kommandeur der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Austin Scott Miller, weiter alle Fähigkeiten und Befugnisse besitze, um die Truppe zu schützen. Das afghanische Verteidigungsministerium äußerte sich dazu zunächst nicht.
Bagram ist die größte Militärbasis der USA und der NATO in Afghanistan. Auf dem Stützpunkt, der etwa 50 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt liegt, waren zeitweise bis zu 30.000 Truppen stationiert. Auf dem Gelände befindet sich außerdem ein Gefängnis, in dem Taliban-Kämpfer, islamistische Extremisten und Terrorverdächtige festgehalten wurden.
Abzug bald vollständig?
Die meisten NATO-Soldaten sind bereits aus Afghanistan abgezogen. Ende April war damit schrittweise begonnen worden. Mehrere Militärstützpunkte wurden bereits an die afghanische Armee übergeben. Das Verlassen von Bagram deutet nun darauf hin, dass auch der vollständige Abzug der internationalen Truppen unmittelbar bevorsteht. Ein genaues Datum dafür war zuletzt noch nicht bekannt. Die US-Regierung verwies in diesem Zusammenhang auf Sicherheitsbedenken und den Schutz des internationalen Flughafens in Kabul, über den noch verhandelt wird.
Die Bundeswehr verließ das Land bereits am Dienstag und beendete damit ihren längsten Auslandseinsatz der Geschichte.
US-Präsident Joe Biden hatte angekündigt, bis spätestens zum 11. September – dem 20. Jahrestag der Terroranschläge in den USA – alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Die Anschläge von 9/11 waren der Auslöser der US-Militärinvasion.
Mit dem Truppenabzug hat jedoch auch die Gewalt in Afghanistan in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Die Friedensgespräche zwischen den radikalislamischen Taliban und der afghanischen Regierung kommen nicht voran. Die Taliban sind in mehreren Teilen des Landes wieder auf dem Vormarsch, haben bereits Dutzende Bezirke überrannt und die angeschlagenen afghanischen Sicherheitskräfte dort überwältigt. Beobachter warnen, dass sich die Sicherheitslage in dem Land ohne die NATO-Truppen noch verschlechtern könnte.


