Selbst in abgelegenen Regionen sind die Immobilienpreise um 40 Prozent gestiegen. Zuzügler konkurrieren mit Einheimischen um Häuser. Makler bezeichnen den Markt als „völlig verrückt“.
Der Immobilienboom hat den ländlichen Raum erreicht. Häuser in Regionen, die mehr als neunzig Minuten Fahrzeit von der nächsten Großstadt entfernt liegen, haben sich in den vergangenen vier Jahren im Durchschnitt um 40 Prozent verteuert. Selbst in Landkreisen, aus denen man mehr als zwei Stunden in die nächste Großstadt fährt, haben die Preise um mehr als 30 Prozent zugelegt. Das ergab eine aktuelle Auswertung des Forschungsinstituts Empirica.
Diese Entwicklung ist überraschend. Jahrelang galt, dass die Ballungsräume wachsen und sich verteuern, während der ländliche Raum mit Abwanderung, Leerstand und sinkenden Preisen zu kämpfen habe. Doch mittlerweile sind Grundstücke nicht nur in den Metropolen selbst, sondern auch in ihren sogenannten Speckgürteln knapp. Im Berliner Umland haben sich die Bodenpreise seit 2012 verdreifacht, weswegen immer mehr Käufer in abgelegene Dörfer und Kleinstädte ausweichen. Während ein gebrauchtes Haus in Frankfurt nicht selten mehr als eine Million Euro kostet, wird es im Vogelsbergkreis im Durchschnitt für 160.000 Euro angeboten und im Spessart für 220.000 Euro. „Das Land zieht in erster Linie Familien an, die sich dort den Traum vom Haus mit Garten erfüllen“, sagt Immobilienökonom Harald Simons.


