Bei den Grünen haben Frauen jetzt den ersten Zugriff auf einen Spitzenplatz – klar, diese Entscheidung steht der Partei zu. Allerdings setzen sich Quotenregeln auch anderswo durch. Das Erschreckende daran: Qualifikationen spielen eine immer geringere Rolle.
Die 16 Jahre Kanzlerschaft Angela Merkels haben Deutschland in vieler Hinsicht gewandelt. In puncto Gleichstellung gilt das in besonderem Maße. Als die CDU-Politikerin 2005 in den Wahlkampf zog, zweifelten nicht nur in ihrem eigenen Lager viele, ob eine Frau diesen Posten überhaupt ausfüllen kann. Und der damalige Amtsinhaber Gerhard Schröder traute es Merkel selbst nach seiner Niederlage nicht zu.
Seither hat sich die Lage komplett gedreht. Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, verdankt ihren Sieg über den Co-Parteichef Robert Habeck vor allem ihrem Geschlecht. Beide wollten den Spitzenplatz. Doch bei den Grünen hat die Frau stets den ersten Zugriff.
Wie fundamental die parteiinterne harte Frauenquote wirkt, zeigt sich daran, dass die unterschiedliche Qualifikation der beiden offensichtlich überhaupt keine Rolle spielt.
Im Gegensatz zu Baerbock kann Habeck Regierungserfahrung vorweisen. Er hat Koalitionsverhandlungen geführt und war Minister und stellvertretender Ministerpräsident. Und er führte bis zu der Personalentscheidung auch in sämtlichen Meinungsumfragen deutlich. Selbst diese harte Währung zahlte sich für den Grünen-Chef aber nicht aus.
Dass sich jetzt auch noch zeigt, dass Baerbock in akademischer Hinsicht trotz großer Worte (ich Völkerrechtsexpertin, er Kühemelker) eher schmalspurig unterwegs war, zeigt den Kontrast zu Merkels hart erkämpften Aufstieg. Selbst ihre schärfsten Kritiker haben niemals in Abrede gestellt, dass die Bundeskanzlerin eine ordnungsgemäß promovierte Physikerin ist.
Parteien haben die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Spitzenleute auswählen. Allerdings ist die Politik längst dabei, die Quotenregel auch auf anderen Feldern durchzusetzen. Bei gleicher Qualifikation Frauen stets den Vorzug zu geben, ist vielerorts die Regel.
Doch die Gleichstellungsverfechter wollen Parteien und Unternehmen zwingen, auch Frauen, die gegenüber männlichen Konkurrenten schlechtere Voraussetzungen mitbringen, die begehrten Posten und Mandate zu sichern.
Man kann diese positive Diskriminierung von Frauen gut finden – oder sich Sorgen machen, falls man Söhne hat oder selbst ein Mann mit Karriereambitionen ist.



