Rätselhafter Besuch

Elon Musk ist in Grünheide, seine Fans feiern – und keiner weiß, warum

17.05.2021
Lesedauer: 4 Minuten
Elon Musks erster Besuch in Brandenburg als „Technoking of Tesla“ Quelle: REUTERS

Der Tesla-Gründer besucht überraschend die Baustelle seiner Autofabrik in Grünheide. Der genaue Zweck der Reise ist nicht bekannt. Immerhin Brandenburgs Wirtschaftsminister hat eine grobe Idee. Ohne das Wort „Verzögerung“ wird der Besuch aber wohl nicht vonstattengehen.

Auf seine Fans vor den Toren der Gigafactory Berlin kann sich Elon Musk verlassen. Kaum zeigte der Online-Flug-Tracker, der alle Bewegungen seines Privatjets verfolgt, an, dass sich der Tesla-Gründer auf dem Weg in die deutsche Hauptstadt befindet, brachten sie sich mit ihren Kameras in Stellung.

Gleich mehrere Musk-Boys veröffentlichten Filme auf Twitter, die angeblich den Jet im Anflug auf den BER zeigen. Auch die Fahrt vom Flughafen in weißen Tesla Model 3 ist gut fotografisch dokumentiert. Wie ein Popstar wird Musk inzwischen in Brandenburg empfangen.

Was der Unternehmer auf der Baustelle seiner Fabrik in Grünheide vorhat? Unbekannt. „Der Zweck dieses Besuchs ist hauptsächlich technischer Natur“, schrieb Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach auf Twitter. Termine mit ihm oder Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) seien nicht vorgesehen.

Der Minister hat inzwischen den wohl engsten Draht zu den Managern des Unternehmens, das keine Pressesprecher beschäftigt und sich selbst nicht äußert. Nach Informationen von WELT sind diesmal aber keine öffentlichen Termine von Musk geplant.

Obwohl sich das die Musk-Jünger am Bauzaun in Grünheide wohl wünschen würden. Schon im vergangenen Jahr hatte der Firmenchef, der sich in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht offiziell den Titel „Technoking of Tesla“ verliehen hat, angekündigt, öfter nach Deutschland zu kommen.

Musk will noch in diesem Jahr in Grünheide produzieren

Fans in der Umgebung der neuen Fabrik zählten 237 Tage seit dem letzten Besuch. Damals hatte Musk in Berlin den Axel Springer Preis entgegengenommen. Auf die Frage, wo er denn nach der Preisverleihung übernachte, hatte er damals gesagt, er werde in einem Konferenzraum in der Fabrik schlafen.

Im Mittelpunkt der Visite steht sicher der Baufortschritt der Anlage in Brandenburg. Letzte spektakuläre Aktion: Per Hubschrauber wurden Abzugskamine auf das Dach der Lackiererei gesetzt. Zuletzt hatte Musk bei der Vorstellung der Quartalszahlen von Tesla gesagt, dass die Baustelle genauso wie das neue Werk in Texas gute Fortschritte mache.

„Wir erwarten den Start einer limitierten Produktion in diesen Fabriken in diesem Jahr und Volumenproduktion aus Texas und Berlin nächstes Jahr“, sagte er. „Wir bauen Fabriken so schnell, wie wir können.“ Diese Äußerung war als vorsichtige Abkehr vom ursprünglichen Zeitplan vor den Toren Berlins gewertet worden.

Eigentlich sollte dort bereits im Juli mit den ersten Produktionstests begonnen werden. Nun aber wird sich dieser Termin nicht mehr halten lassen. Laut Landesumweltamt muss der Antrag zur Genehmigung der Fabrik erneut öffentlich ausgelegt werden. Das dürfte zu einer weiteren Verzögerung von etwa drei Monaten führen.

Der Grund ist vor allem die Batteriefabrik, die Tesla in Grünheide bauen will. Tesla plant, dort eigene Batteriezellen zu fertigen, künftig auch mit einer selbst weiterentwickelten Lithium-Ionen-Technologie. Die Zellproduktion soll in den Bauantrag der Autofabrik mit einbezogen werden. Das macht eine neue Bürgerbeteiligung nötig.

Noch baut Tesla vorläufig

Im Frühjahr hatte Tesla diese umständlichen deutschen Genehmigungsverfahren kritisiert und einen Zehn-Punkte-Plan zur Modernisierung des Planungsrechts vorgelegt. Die Manager von Musk äußerten sich in einem offenen Brief insbesondere darüber, dass es noch keinen Zeitplan für die Entscheidung über eine endgültige Genehmigung gibt.

Bisher baut Tesla auf Basis von vorläufigen Genehmigungen. Umweltverbände und Anwohner befürchten mit der Autofabrik negative Folgen für Wasser und Tiere. Insider sehen einen erheblichen Teil der Schuld für die Verzögerungen bei Tesla selbst. Das Unternehmen hatte zu seinen ursprünglichen Bauanträgen immer wieder Änderungen und Erweiterungen nachgereicht und die planungsrechtlichen Spielräume damit bis an die Schmerzgrenze ausgereizt.

Im kommenden Jahr sollen nun elektrische SUVs von Teslas Model-Y-Reihe in Grünheide vom Band laufen. Das Unternehmen peilt eine Kapazität von 500.000 produzierten Autos pro Jahr an – weit mehr als Mercedes-Benz in Bremen und doppelt so viel wie BMW in Dingolfing.

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