An einer Abstimmung in Baden-Württemberg beteiligte sich knapp die Hälfte der AfD-Mitglieder. Auch aus der Partei ausgeschlossene Politikerinnen konnten sich bewerben.
Alice Weidel hat sich mit neun weiteren AfD-Politikern aus Baden-Württemberg für eine Kandidatur zur Bundestagswahl qualifiziert. Für Weidel, die sich bereits mit dem AfD-Bundeschef Tino Chrupalla als Spitzenduo für den Bundestagswahlkampf bewirbt, stimmten 71 Prozent der Parteimitglieder, die an einer Urwahl in Baden-Württemberg teilnahmen. Das geht aus dem Abstimmungsergebnis hervor, das ZEIT ONLINE vorliegt. Beteiligt hatten sich nach Angaben aus dem Landesverband 45 Prozent der etwa 5.000 Mitglieder. https://1fef6b2fd9f71ac104341ac7637162c0.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html
Das zweitbeste Ergebnis der Abstimmung, erzielte der ebenfalls bereits im Bundestag vertretene Markus Frohnmaier, gefolgt von dem Abgeordneten Marc Jongen. Unter den zehn Bestplatzierten ist auch Christina Baum, die dem formal aufgelösten völkischen AfD-Flügel zugerechnet wird. Baum war bisher im Landtag vertreten, scheiterte aber zur Landtagswahl im April und bewarb sich nun für den Bundestag.
Bei der AfD Baden-Württemberg sind auch parteifremde Kandidatinnen und Kandidaten zugelassen. Daher konnte sich auch der im April ebenfalls gescheiterte und wegen antisemitischer Äußerungen aus der AfD ausgeschlossene ehemalige Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon bewerben. Für ihn stimmten 26 Prozent der Teilnehmenden. Auch der Ex-AfD-Abgeordnete Heinrich Fiechtner hatte sich beworben, er erhielt 33 Prozent. Fichtner hatte die AfD im Streit verlassen, im Stuttgarter Landtag war er zuletzt vor allem durch verbale Ausfälligkeiten aufgefallen, wofür er zahlreiche Ordnungsrufe erhielt.
Der Landesvorstand hat das ganze Wochenende die Ergebnisse der Briefwahl-Abstimmung ausgewertet. In weiteren Wahlgängen wird die Reihenfolge der Kandidatinnen auf der Kandidatenliste festgelegt. Auch die Bewerberinnen, die jetzt nicht unter die ersten zehn kamen, können sich nach Angaben aus dem Landesverband in weiteren Wahlgängen erneut bewerben. Das aufwendige Wahlverfahren sieht bis zu fünf Wahlgänge vor. Es ist notwendig geworden, weil es dem Landesverband nicht gelungen war, einen ordentlichen Landesparteitag abzuhalten, um die Kandidatenliste in einem Zuge aufzustellen. Grund dafür sind einerseits die Corona-Auflagen und andererseits die Schwierigkeiten der AfD, überhaupt Vermieter zu finden, die ihr geeignete Räume zur Verfügung stellen. Mehrere bereits geplante Parteitage mussten wegen solcher Probleme wieder abgesagt werden.



